Das 22. Adventskalendertürchen

24+2 Adventskalendertürchen mit Nettigkeiten und Anregungen von Forums-Mitgliedern für alle, die sich vorweihnachtlich einstimmen wollen. Viel Spaß beim täglichen Lesen!

Moderator: Momabo

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optimistin
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Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von optimistin » Mittwoch 21. Dezember 2011, 22:04

Hallo liebe Strömfreunde,
heute möchte ich das 22. Türchen zunächst mit einer Geschichte füllen:

Troedelchen schreibt an den lieben Gott
Verfasser leider nicht bekannt
Hallo lieber Gott,

wie geht es dir dort im Himmel? Gestern Nacht war ich wieder am Rande der Verzweiflung. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich dich nicht endlich dort oben besuchen solle. Denn auf dieser blöden Welt läuft alles falsch. Es ist nicht so einfach wie du mir einmal erzählt hast, bevor ich hierher gekommen bin. Du hast mir vor meiner Geburt gesagt, dass sich alle hier auf mich freuen würden. Aber das war falsch, lieber Gott. Manche Leute haben mir schon selbst gesagt, dass sie froh wären, wenn sie mir nicht begegnet wären. Das tut weh. Und wenn das dein Papa sagt, dann schmerzt das noch mehr. Und wenn du einen Brief an deine Mutter findest, in dem dein Vater schreibt, dass ich IHR Wunsch gewesen wäre und dass er sich oft fragt, ob alles nicht viel schöner und besser ohne mich wäre, dann gibt das meinem Herzen einen großen Stich. Ganz tief. Und dann frage ich mich, weshalb ich überhaupt hier bin und was ich hier soll auf dieser blöden Welt.

Weißt du, ich habe einmal ein Lied gehört, in dem singt jemand "There is enough love for everyone" oder so ähnlich. Kennst du dieses Lied? Ich weiß ja nicht, ob ihr dort oben im Himmel auch Musik hört. Manchmal glaube ich, dass dieser Sänger im Unrecht ist. Es gibt nicht genug Liebe für jeden hier. Jedenfalls für mich nicht. Und jetzt sag mir bitte nicht, dass ich in Selbstmitleid versinke. Nein, ich bin doch schon längst ertrunken.

Lieber Gott, es tut so weh, zu wissen, dass man unerwünscht ist. Und es tut weh, wenn man sieht, dass die besten Freunde einem manchmal keinen Halt schenken wollen, wenn es doch so nötig wäre. Vielleicht muss das so sein, damit ich lerne, dass ich manchmal auch nur auf mich allein gestellt bin und dass das Leben nicht immer so einfach ist. Ja. Aber weshalb stellst du mir so viele Hindernisse in den Weg? Ich habe doch schon begriffen, dass alles nicht so leicht ist. Bitte. Du musst es mir nicht noch schwieriger machen, lieber Gott. Oder bin ich selbst diejenige, die es sich noch schwieriger gestaltet? Suche ich nur wieder einen Schuldigen für alles, anstatt die Schuld bei mir selbst zu suchen? Ich habe so viele Fragen. Und die Antwort verhallt wohl im Nichts.

Ich muss noch so vieles lernen, so viel begreifen, so vieles entdecken, so viel einstecken. Bitte verzeih, lieber Gott, aber kannst du mir das Leben nicht ein wenig einfacher machen? Ich würde dich manchmal in verzweifelten Momenten gerne besuchen kommen, aber dann sehe ich ein, dass ich nicht aufgeben darf, denn vielleicht muss das alles ja so sein. Dann begreife ich, dass das wohl so sein muss, weil es mich stärker machen möchte. Das Leben möchte mich stärker machen und du mich auch. Ich danke dir dafür. Aber bitte mach mich nicht zu stark.

Leben ist mehr als das pure Atmen. Leben heißt traurigsein, glücklichsein, weinen, lachen, schreien, kämpfen, lernen, verstehen, toben, nachdenken, flehen, betteln, beobachten, austauschen, leiden, genießen. Leben kann so viel bedeuten. Aber man muss seinem Leben auch eine Bedeutung beimessen. Wenn man dies nicht tut, ist man verloren in dieser Welt. Und dann ertrinkt man in seinem eigenen Selbstmitleid.

Ich habe gestern noch einmal nachgedacht und mich dann gefragt, weshalb ich eigentlich so schnell resigniere. Weshalb ist das so? Ist das so, weil ich zu empfindlich und sensibel bin? Weil ich mir alles zu sehr zu Herzen nehme? Weil ich gelernt habe, dass ich so vieles falsch mache? Es wäre feige, wenn ich so einfach aufgeben würde, lieber Gott. Denkst du das nicht auch?

Ja, es wäre feige. Und deswegen zeig ich es dem Leben noch einmal so richtig. Gleich jetzt. Und wenn ich dich dann später irgendwann einmal besuchen darf, dann kannst du mir vielleicht sogar in mein Ohr flüstern, dass ich mehr richtig gemacht habe in meinem Leben als ich jemals gedacht hätte.

Alles Liebe,

Dein Troedelchen

Ich wünsche Euch ein geruhsames Weihnachtsfest
lg von opti
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Re: Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von optimistin » Donnerstag 22. Dezember 2011, 20:22

Hallo liebe sanny,
ich freue mich, dass Dir mein Adventstürchen gefällt, vielen Dank.
Ich hoffe, es geht Dir gut, Du warst wenig im Forum.
Dir alles Gute und liebe Grüße von opti : 26
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Re: Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von ate2011 » Donnerstag 22. Dezember 2011, 21:08

einfach nur ein Danke, liebe Opti
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Re: Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von Fish70 » Donnerstag 22. Dezember 2011, 21:21

Hallo opti,

das ist sooo schön, diese Geschichte hat mich sehr berührt und das Lied hatte ich noch nie gehört.

Danke dafür.

lg

vom fish
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Re: Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von optimistin » Donnerstag 22. Dezember 2011, 21:34

Hallo liebe ate und liebe fish,
euch auch vielen Dank.
Ich mag dieses Lied von den Luciamädchen zu gern, habe es schon ganz oft in der Weihnachtszeit hier in Hamburg in der Kirche gehört und habe es jetzt bei Youtube gefunden. Wenn die Mädchen in die Kirche einziehen und sich dann nacheinander vorm Altar verneigen.... einfach Gänsehaut pur.
glg von opti
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Re: Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von SaxMan » Donnerstag 22. Dezember 2011, 22:40

Hallo Opti,

einfach nur toll!

Danke

lg

SaxMan
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Re: Das 22. Adventskalendertürchen

Beitrag von optimistin » Freitag 23. Dezember 2011, 09:04

Hallo SaxMan,
schön, dass Dir das 22. Türchen gefiel. Ich freue mich sehr über die Rückmeldungen.
opti wünscht auch Dir
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