18. Türchen - 18.12.2014

Eine schöne und ruhige Adventszeit und viele spannende Adventkalender-Türchen!

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18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von AnnSophie » Donnerstag 18. Dezember 2014, 15:11

Die Taube

Zwei Sucher kamen zu einem Meister und fragten, ob sie bei ihm bleiben und Unterricht nehmen durften. Der Meister wollte sie erst auf die Probe stellen.
Er gab beiden Suchern eine Taube und sagte: „Gehe zu einem Platz, wo dich niemand sieht und töte die Taube.“ Der eine Sucher verschwand ohne Zögern hinter einer Mauer und tötete die Taube.
Der andere Sucher lief den ganzen Tag auf der Suche nach einem Ort, an dem er die Taube ungesehen töten konnte, umher, kam aber schließlich abends mit dem immer noch lebenden Vogel zurück.
Der Meister fragte ihn: „Nun, hast du keinen geeigneten Ort gefunden?“
„Nein, Meister. Es gab nirgendwo einen Ort, an dem ich nicht stets gesehen wurde.“
„Oh, und wer hat dich denn immer gesehen?“ fragte der Meister.
„Die Taube,“ antwortete der Sucher.
Ich liebe, also bin und werde ich.
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Varina » Donnerstag 18. Dezember 2014, 18:07

:roll: da fehlt doch der Beitrag von meinrad
Lieber Gruß von
Varina

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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von meinrad » Donnerstag 18. Dezember 2014, 20:46

:daumen:

Ja, und der meint,
dass man von Meistern, die einem losschicken
um Tauben tot zu schlagen sicher nicht sinnvolles lernen kann.
und dass es schwach ist, einen ganzen Tag zu brauchen, um das zu merken,
statt dem "Meister" gleich sein Reisegepäck um die Ohren zu hauen.
Zuletzt geändert von meinrad am Donnerstag 18. Dezember 2014, 21:08, insgesamt 1-mal geändert.
.... lasst uns froh und munter sein !

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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Nirbheeti » Donnerstag 18. Dezember 2014, 20:58

Liebe Varina,

ich habe den Beitrag gelöscht. Der Witz ist, dass ich in der Sache seiner Auffassung nahestehe.

O, ich sehe gerade, dass du den Text neu reingestellt hast, meinrad. Jetzt fehlt das, was mich bewogen hat, ihn rauszunehmen. Danke!

Nirbheeti
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und dabei zu denken, was keiner gedacht hat.
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von meinrad » Donnerstag 18. Dezember 2014, 21:07

Du meinst der von mit erwähnte GottVater
der den guten Abraham genötigt hat seinen
Sohn abzuschlachten,
was dann irgendwie doch noch vermieden wurde

oder dass ich von so einem GottVater nicht viel halte ??
.... lasst uns froh und munter sein !

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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Nirbheeti » Donnerstag 18. Dezember 2014, 21:42

Genau das. So wie es jetzt da steht - kein Problem! Hab dir eine PN geschrieben.

Gruß!
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von AnnSophie » Donnerstag 18. Dezember 2014, 21:58

meinrad hat geschrieben::daumen:
und dass es schwach ist, einen ganzen Tag zu brauchen, um das zu merken,
statt dem "Meister" gleich sein Reisegepäck um die Ohren zu hauen.
Besser spät als nie... (das bewog mich die Geschichte reinzunehmen)

Und Abgrenzung (von Autoritäten/Aufgaben) ist auch ein wichtiges Kapitel (zumindest für mich)

AnnSophie.
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Blueberry » Freitag 19. Dezember 2014, 11:07

Liebe AnnSophie,
vielen Dank für diese Geschichte! :D
On n'est pas obligé de tout interpréter au premier degré, n'est-ce pas? :mrgreen:
Der Interpretationsebenen gibt es viele - es sei denn, die Teetasse ist zu voll!

Liebe Grüsse
blueberry

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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von AnnSophie » Freitag 19. Dezember 2014, 12:18

Liebe Blueberry,
absolut. Man kann meist raussuchen welche Welt, in der Welt bzw. Wahrheit hinter der Wahrheit hinter der Wahrheit man sich raussucht. Oder ob man eben auf der ersten Ebene bleibt, ist alles legitim.

Und nach meinem aktuellen Wissen wird man in jeder Wahrheit einen Crack finden, der nach einer Integration in einer anderen/größeren Wahrheit dahinter ruft.
Hilfreich ist es halt die Tasse immer wieder zu leeren, wenn man was neues lernen will und nicht nur seine Bilder und Urteile bestätigen möchte.

Herzlich,

AnnSophie.
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Nirbheeti » Samstag 7. Februar 2015, 19:30

Ihr Lieben,

ich melde mich noch einmal zu dieser Geschichte, weil meine eigene Situation verhindert hat, dass ich genauer auf meinrads Beitrag antworten konnte. Nach einer Herzkatheteruntersuchung, bei der auch ein Stent gesetzt wurde, kam es zu Komplikationen mit meiner Leiste, an denen ich auch immer noch laboriere. Vor allem sollte/konnte ich kaum sitzen, sollte lieber liegen und nach und nach immer mehr gehen. Ich hatte also Zeit, die Geschichte in mir weiterarbeiten zu lassen. Dabei entstand (m)eine Variation, die ihr im nächsten Beitrag findet. Hier noch ein paar Vorbemerkungen:
Zwei Sucher kamen zu einem Meister und fragten, ob sie bei ihm bleiben und Unterricht nehmen durften.
So was passiert, wenn eine Zen-Geschichte in einen Kulturkreis katapultiert wird, in dem das Meister-Schüler-Verhältnis so unbekannt ist, dass es nicht einmal passende Worte gibt. Spricht man von einem Schüler, denkt man an einen Lehrer und die eigenen Schulerfahrungen kommen einem in die Quere. Spricht man von einem Jünger, spielen die christlichen Vorstellungen vom Gottessohn im Sinne von Heiland mit hinein.

Gemeint ist aber der spirituelle Meister, der sich bereits SELBST ERKANNT hat. „Der Mensch besteht aus sich entfaltenden Bewusstseinszuständen.“ (What Mary says, S. 26) Kommt ein Suchender zu einem solchen Meister, muss der herausfinden, welcher Bewusstseinszustand sich gerade entfalten will, und was der Suchende für den nächsten Schritt noch braucht. Ist der Mensch schon dabei, den Weg nach innen einzuschlagen? Will er MICH SELBST ERKENNNEN? - Aber auch der Wahrheitssuchende muss herausfinden, ob er beim richtigen Meister gelandet ist. Selbst ein „echter“ Meister, der kein Scharlatan ist, muss nicht unbedingt für jeden Suchenden der richtige sein.

Die Aufgabe des Meisters ist es, Situationen zu schaffen, die dieses MICH SELBST ERKENNEN und dabei "mein eigenes Zeugnis sein" provozieren und dabei auch Glaubenssätze und Selbsttäuschungen offen legen. Der Meister Jiro Murai und seine Schülerin Mary Burmeister haben uns dafür Jin Shin Jyutsu gegeben. Andere Meister haben mit anderen Methoden gearbeitet.
„Oh, und wer hat dich denn immer gesehen?“ fragte der Meister.
„Die Taube,“ antwortete der Sucher.
Dass ich diese Zeilen ganz anders verstanden habe als meinrad, liegt z. T. an einem Beitrag in einem anderen Thread, der inzwischen von der Autorin gelöscht wurde. Er handelte von zwei jungen Menschen, die Zeuge wurden, wie ein ihnen bekannter junger Mann zusammengeschlagen wurde, und niemand der vielen Passanten half. Ich erinnere mich an den Satz: "Wie er uns angeguckt hat, richtig flehend." Dieses Bild schob sich vor meinem inneren Auge über das Bild der Taube und hat mich tief berührt. Es erinnerte mich an die 2, die "in die Welt [kam] mit der Bedeutung Lebenskraft für alle Kreaturen (Weisheit)." (Mary zu SES 2) Den sich entfaltenden Bewusstseinszustand des zweiten Suchers möchte ich "die Taube wahrnehmen" nennen.

Der Antwort, die ich dem "Mörder der Taube" in den Mund lege, geht folgende Erfahrung voraus:
Vor etwas mehr als 30 Jahren lebten wir in Mexico-Stadt und reisten in den Ferien viel herum. Märkte und Markthallen waren Attraktionen. In einer Markthalle war in einem Bereich lautes Gegacker zu hören. Alle Hühner, die in Pfanne oder Kochtopf enden würden, waren noch lebendig! Jeder Kunde suchte sich ein Huhn aus und es wurde bei freundlicher Unterhaltung mit dem Kunden vor seinen Augen (ganz unblutig) getötet und dann gerupft. – Ich möchte damit sagen, dass wir uns durch unser modernes Vertriebssystem oft nicht mehr bewusst machen, dass für unser Essen Tiere getötet werden. Das war zu den Zeiten, als diese Geschichte vermutlich entstand, noch eine alltägliche Erfahrung. Und wenn ich’s genau betrachte, dann töte ich auch die Pflanzen, von denen ich mich ernähre.

Hier nun meine Geschichte. Sie ist natürlich keine Zen-Geschichte mehr, sondern einfach nur ein Zeugnis meines derzeitigen unerleuchteten Bewusstseinszustands.
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Nirbheeti » Samstag 7. Februar 2015, 19:44

DIE TAUBE
(Eine veränderte Fassung fürs Ström-Forum)

Ein Mann kam zu einem Meister und fragte, ob er bei ihm bleiben und lernen dürfte. Der Meister gab ihm eine Taube und sagte: „Gehe zu einem Platz, wo dich niemand sieht, und töte die Taube.“ Der Sucher war empört. „Du magst ein berühmter Meister sein, aber nicht einmal auf deine Aufforderung hin werde ich töten“, sagte er, drehte sich, ließ den Meister stehen und kehrte in sein Dorf zurück.

Einige Zeit später kamen zwei Sucher zu demselben Meister und fragten, ob sie bei ihm bleiben dürften. Der Meister gab jedem eine Taube und sagte wieder: "Gehe zu einem Platz, wo dich niemand sieht, und töte die Taube." Der eine Sucher verschwand ohne Zögern hinter einer Mauer und tötete die Taube. Dann ging er zum Meister zurück und wollte ihm die tote Taube geben. Der Meister fragte ihn: "Nun, wo hast du einen geeigneten Ort gefunden, an dem dich niemand gesehen hat?" Der Sucher deutete auf die Mauer und sagte: "Dort hinter der Mauer."

Der Meister führte den Sucher hinter die Mauer und setzte sich auf den Boden. Er forderte den Sucher auf, sich ihm gegenüber zu setzen, die Taube in seinen Schoß zu legen, die Augen zu schließen und den Kopf zu neigen. Nach einer Weile streckte der Meister seine Hand aus, zog das Augenlid der Taube hoch, so dass das Auge zu sehen war, und sagte: "Öffne deine Augen und schau." Als der Sucher die Augen öffnete, blickte er direkt in das leblose Auge der Taube. "Oh," sagte er betroffen, "ich wurde gesehen. Jedes mal wurde ich gesehen." Da trug der Meister ihm auf, mit offenen Augen zu meditieren und dabei die Taube anzuschauen, die er getötet hatte. Dann verließ er ihn.

Der andere Sucher lief den ganzen Tag auf der Suche nach einem Ort, an dem er die Taube ungesehen töten konnte, umher, kam aber schließlich abends mit dem immer noch lebenden Vogel zurück. Der Meister fragte ihn: "Nun, hast du keinen geeigneten Ort gefunden?"
"Nein, Meister. Es gab nirgendwo einen Ort, an dem ich nicht stets gesehen wurde."
"Oh, und wer hat dich denn immer gesehen?" fragte der Meister.
"Die Taube", antwortete der Sucher.

Da nahm ihm der Meister die Taube ab und führte ihn zu einem vor Blicken geschützten Meditationsplatz. Dort ließ er sich im Lotussitz nieder und forderte den Sucher auf, sich ihm gegenüber zu setzen, die Augen zu schließen und den Kopf zu neigen. Nach einer Weile sagte der Meister: "Öffne die Augen und schau."
Der Sucher blickte er in seinen eigenen Schoß und auf seine Hände. Der Meister fragte: "Wer sieht dich jetzt?"
"Du siehst mich", sagte er, "und die Taube sieht mich." Da stand der Meister auf und sagte zu ihm: "Ich verlasse dich jetzt und nehme die Taube mit. Meditiere in dieser Haltung mit offenen Augen weiter und sag mir beim Treffen heute Abend, wer dich gesehen hat." Und er schickte einen Mönch, der dafür sorgen sollte, dass niemand den Sucher sah.

Wiederum einige Zeit später kam ein Mönch, dessen Meister gestorben war. Er war auf der Suche nach einem neuen Meister. Auch diesem Sucher hielt der Meister eine Taube hin und sagte: "Gehe zu einem Platz, wo dich niemand sieht, und töte die Taube." Der Mönch lachte hell auf: "Meister, wie soll ich denn die Taube töten, wenn ich erst einen Platz finden soll, wo mich niemand sieht? Den gibt es nicht!" – "Oh", sagte der Meister, "wer sieht dich denn immer und überall?"
"Wo ich war, bin und sein werde, stets sehe ich mich SELBST und werde von MIR SELBST gesehen." Da setzte der Meister lachend die Taube auf den Boden. Dann ließ er sich nieder, zog den Mönch neben sich und beide meditierten.

Lieben Gruß!
Nirbheeti
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von AnnSophie » Samstag 7. Februar 2015, 20:57

:danke: liebe Nirbheeti, für Deine tolle Geschichte.
Ich liebe, also bin und werde ich.
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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von sanara » Montag 9. Februar 2015, 05:06

Liebe Nirbheeti,

: 26 Weisheit pur, vielen Dank! Unterm Strich- gute Selbstwahrnehmung - gute Entscheidungen, im Herzen sein...

Ein: Ich sehe Dich und spüre mich aus dem NLP schlich sich bei mir da noch ein ;-)

Ich drücke dir feste die Daumen an dieser Stelle für Dein Projekt und dass Du bald wieder auf den Füssen bist : 26

herzlich
sanara
“Nicht Worte sollen wir lesen, sondern den Menschen, den wir hinter den Worten fühlen” (Samuel Butler)

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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von Blueberry » Montag 9. Februar 2015, 10:59

Hallo ihr Lieben,

also hier auch noch meine Interpretation der ursprünglichen Geschichte:
meinem Verständnis nach geht es dabei überhaupt nicht um das Schlachten von irgendwelchem Federvieh und auch nicht darum, eine wie auch immer geartete Gefolgstreue gegenüber einem Meister oder einer sonstigen Autoritätsperson unter Beweis zu stellen.

Die Geschichte stellt vielmehr zwei unterschiedliche Meditationsformen vor.
Die "Taube" ist ein Symbol für unsere Gedanken, die ständig mit viel Lärm davon flattern und überall hinschei...en.
"Die Taube töten" bedeutet, die Gedanken, d.h. das ständige mentale Bla Bla, was uns ständig im Kopf herumflattert, abzustellen. Um dieses zu erreichen, konzentriert man sich zunächst auf einen einzigen Gedanken: ein Meditationsobjekt, wie z.B ein Symbol oder auch ein Mantra oder ein Gebet und anschliessend lässt man auch diesen Gedanken verlöschen. Es handelt sich dabei um die schwierigere Meditationsform.
Der Meister in der Geschichte kennt die beiden Suchenden noch nicht: wie ein Lehrer in der Schule testet er aus, was seine neuen Schüler bereits beherrschen – oder auch nicht. Er stellt sie also auf die Probe, indem er sie auffordert, die schwierigste Meditationsform zu praktizieren.
Dieses sollen sie an einem Ort machen, wo sie niemand sieht, das bedeutet: alleine im stillen Kämmerlein, bzw in einer Klosterzelle (= hinter der Mauer).
Der erste Schüler ist bereits so fortgeschritten, dass er diese Meditationstechnik perfekt beherrscht.
Der zweite Schüler praktiziert eine andere Meditationstechnik, die darin besteht, das Meditationsobjekt festzuhalten und ständig darauf konzentriert zu bleiben (er hält die Taube fest, sodass sie nicht wegfliegen kann) Für diese Meditationstechnik ist es nicht zwingend notwendig, alleine im stillen Kämmerlein zu praktizieren.
Die Pointe der Geschichte: „Ich finde keinen Ort, wo mich keiner sieht, weil die Taube mich überall sieht und deswegen kann ich sie nicht töten“ beinhaltet ein (Advents)Türchen, das zu einer höheren Verständnisebene führt: "Mein Gedanke sieht mich".
Ich kann ihn zwar nicht prompt abstellen wie mein Kamerad hinter der Mauer, aber durch ihn bin ich einer höheren Wahrheit bewusst geworden, weshalb meine Art zu meditieren genauso wertvoll ist wie die seine.

Liebe Grüsse
blueberry

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Re: 18. Türchen - 18.12.2014

Beitrag von meinrad » Montag 9. Februar 2015, 11:16

:
Zuletzt geändert von meinrad am Montag 9. Februar 2015, 11:34, insgesamt 1-mal geändert.
.... lasst uns froh und munter sein !

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